Zusammenfassung der Erkenntnisse aus der Konferenz mit Dr. Stefan Hügel am 8. April 2026
In der monatlichen Konferenzreihe «Bienen ohne Grenzen» von FreeTheBees wurde kürzlich ein zentraler Kreis geschlossen: Der Weg von der Bodengesundheit über die Pflanzen– und Tiergesundheit bis hin zum Menschen. Dr. Stefan Hügel, Bioverfahrenstechniker und Experte für Spurenelemente, verdeutlichte in seinem Vortrag eindrücklich, dass das Schicksal unserer Honigbienen untrennbar mit der mineralischen Zusammensetzung unserer Böden verbunden ist.

Von Grund auf gesund: Warum Bienenschutz im Boden beginnt
Früher war Landwirtschaft ein Kreislauf. Heute, so Dr. Hügel, leben wir in einer «Nährstoffeinbahnstrasse». Während früher Mist und Gülle den Boden nährten, wird heute in der modernen Landwirtschaft fast ausschliesslich mit wasserlöslichem NPK-Dünger (Stickstoff, Phosphor, Kalium) gearbeitet. Das Problem: NPK liefert zwar drei wichtige Elemente für den Ertrag, lässt aber die Versorgung mit Dutzenden essenziellen Spurenelementen völlig ausser Acht.
Da menschliche Ausscheidungen über Kläranlagen in die Weltmeere geleitet werden, anstatt als Nährstoffe auf den Acker zurückzukehren, findet kein Recycling statt. Die Folge ist eine dramatische Verarmung: Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass der Kupfergehalt in Gemüse zwischen 1941 und 1990 um über 70 % abgenommen hat. Dr. Hügel prägte hierfür das treffende Bild: «Wir verhungern an vollen Tellern» – wir produzieren zwar Masse, aber es fehlt die lebensnotwendige Mikronährstoff-Qualität.
Das einseitige Düngesystem schafft schwache Pflanzen. Stickstoff und Phosphor stimulieren massiv den Primärstoffwechsel (Wachstum), was jedoch auf Kosten des Sekundärstoffwechsels geht. In diesem individuellen Stoffwechsel bildet die Pflanze sekundäre Pflanzenstoffe und Abwehrkräfte gegen Stress. Fehlen diese, wird die Pflanze «weich» und lockt Schädlinge an.
Dr. Hügel bezeichnet diese Schädlinge als die «Müllabfuhr der Natur», die kranke und nährstoffarme Pflanzen aussortiert. Um diesen Befall zu stoppen, wird Pflanzenschutz eingesetzt, was die Situation oft verschlimmert: Fungizide blockieren beispielsweise das Entgiftungssystem der Bienen, wodurch Insektizide um den Faktor 2 bis 10 giftiger wirken können.
Die Forschung zeigt, dass Bienen einen instinktiven Hunger nach Mineralien haben, den herkömmliche Zuckerfütterungen nicht stillen können.
Für Dr. Stefan Hügel liegt die Lösung in einer schrittweisen Strategie des Vereins Almaterra: Kurzfristig müssen Nährstoffmängel direkt ausgeglichen werden, mittelfristig müssen wir die Pflanzen durch gezielte Mineralisierung stärken und langfristig den globalen Nährstoffkreislauf wieder schliessen.