Wildlebende Honigbienen – FreeTheBees

Wildlebende Honigbienen

Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) wird meist als Nutztier der Imkerei wahrgenommen. Ursprünglich ist sie jedoch ein Wildtier der europäischen Wälder. Jahrmillionen lang lebten Honigbienenvölker frei in Baumhöhlen, Felsen oder Gebäudenischen und waren Teil natürlicher Ökosysteme.

Auch heute existieren noch wildlebende Honigbienenvölker, die ohne imkerliche Betreuung überleben. In der Schweiz gelten solche Völker rechtlich als heimische Wildtiere. Doch ihre Situation ist kritisch. Ihr Schutzstatus ungeklärt. Noch immer werden wildlebende Bienenvölkern aktiv vernichtet, statt geschützt und gefördert. Während Millionen Honigbienenvölker in der Imkerei gehalten werden, sind wildlebende Populationen in Mitteleuropa fast verschwunden.

Von Populationen zu Einzelvölkern

Früher existierten Honigbienen als stabile Waldpopulationen. Schwärme gründeten neue Völker, von denen einige überlebten und wiederum Schwärme erzeugten. So entstand ein dynamisches Netzwerk von Kolonien in der Landschaft.

Heute finden Forscher in der Schweiz und in Deutschland meist nur noch isolierte Einzelvölker. Diese bilden kaum noch zusammenhängende Populationen. Viele verschwinden bereits nach wenigen Jahren wieder.

Eine Studie zur Überlebensrate wildlebender Honigbienen zeigt dramatische Unterschiede zwischen Regionen. Die Überlebensraten freilebender Völker in der Schweiz und in Teilen Deutschlands sind deutlich niedriger als in anderen europäischen Regionen.

(Hier Grafik einbauen)

Wildlebende Honigbienen. Foto: Ingo Arndt

Wildlebende Honigbienen aus der Baumhöhle. Foto: Ingo Arndt

Honigbienenvolk in Baumhöhle

Honigbienen beim Anflug ans Flugloch ihrer Baumhöhle. Foto: Ingo Arndt

Gefährdungsstatus in Europa

Die Situation der wildlebenden Honigbiene hat inzwischen internationale Aufmerksamkeit erlangt. Seit Ende 2025 wird die wilde Form der westlichen Honigbiene (Apis mellifera) in der Europäischen Union auf der Roten Liste der IUCN als «stark gefährdet» geführt, da ihre natürlichen Populationen stark zurückgegangen sind.

Wichtig dabei: Gemeint sind wildlebende Populationen, nicht die imkerlich gehaltenen Bienenvölker.

In der Schweiz ist diese Einstufung derzeit noch nicht offiziell übernommen. Die nationale Beschlussfassung steht noch aus. Die wissenschaftliche Einschätzung ist jedoch klar: Wildlebende Honigbienen gehören zu den bedrohten Wildtierpopulationen Europas.

Eine offene wissenschaftliche Frage

Eine besonders interessante Beobachtung beschäftigt uns derzeit: Warum überleben wildlebende Honigbienen in einigen Regionen Europas deutlich besser als in Deutschland oder der Schweiz?

In mehreren Ländern – etwa in Teilen Frankreichs, Osteuropas oder den USA – wurden überlebensfähige wildlebende Populationen gefunden. In der Schweiz und in Deutschland hingegen zeigen Studien deutlich geringere Überlebensraten.

Eine mögliche Erklärung wird vermutet, aber erst ansatzweise diskutiert: Könnten die rigiden und intensiven imkerlichen Kontrollen und Behandlungen in Deutschland und der Schweiz schwere Nebenwirkungen haben und die natürlichen Abwehrkräfte bis hin zur Anpassungsfähigkeit stark einschränken?

In stark bewirtschafteten Bienenpopulationen werden fast immer

  • Parasiten behandelt
  • Schwärme be-/verhindert
  • Völker künstlich vermehrt
  • natürliche Selektion eingeschränkt

Dadurch geht mittel- und langfristig ein wichtiger Mechanismus verloren gehen: Die natürliche Anpassung der Honigbiene an ihre Umwelt.

Diese Hypothese ist wissenschaftlich noch nicht abschliessend geklärt – sie zeigt jedoch, wie komplex das Zusammenspiel zwischen Imkerei, Ökologie und Evolution ist.

Warum wildlebende Honigbienen wichtig sind

Wildlebende Bienenvölker erfüllen mehrere entscheidende Funktionen:

Natürliche Anpassungsfähigkeit: Nur in der Natur und ohne imkerliche Eingriffe können sie Honigbienen an ihre Umwelt und an immerwährende Umweltveränderungen anpassen. Die natürliche Selektion führt zur natürlichen Evolution.

Genetisches Reservoir: Die natürliche Anpassungsfähigkeit führt zu genetischen Eigenschaften,  die mittel- und längerfristig der gesamten Bienenpopulation zugutekommen.

Bioindikator für Umweltqualität: Wildlebende Bienenvölker können sehr gut wissenschaftlich überwacht werden. Sie sind überaus aufschlussreiche für die Intaktheit des lokalen Ökosystems. Wo ein Bienenvolk nicht überleben kann, sind Aufwertungsmassnahmen der lokalen Natur notwendig.

Schutz und Förderung wildlebender Honigbienen

Um diese ursprüngliche Lebensform der Honigbiene zu erhalten, braucht es gezielte Massnahmen:

Schutz & Förderung wildlebender Bienenvölker: Wildlebende Bienenvölker dürfen nicht entfernt oder vernichtet werden.
Mehr natürliche Habitate: Alte Bäume und grosse Baumhöhlen sind entscheidend für ihr Überleben. In der Übergangszeit müssen Baumhöhlenimitate geschaffen werden.
Verbesserung der Blütenvielfalt: Eine vielfältige Landschaft bietet Nahrung über die gesamte Bienensaison. Die konstante Verfügbarkeit insbesondere von Nektar, aber auch Pollen ist primordial für Honigbienen und viele andere Insektenarten.
Forschung und Monitoring: Noch immer fehlen grundlegende Daten über Anzahl, Verbreitung und Gesundheit wildlebender Honigbienen. FreeTheBees hat hier einzigartige Vorarbeit geleistet, die laufend erweitert wird.

Unsere Arbeit bei FreeTheBees

FreeTheBees setzt sich dafür ein, dass wildlebende Honigbienen wieder eine Zukunft haben.

Unsere Projekte umfassen:

  • Wissenschaftliches Monitoring, Auswertung und Publikation über den Zustand freilebender Bienenvölker
  • Schaffung künstlicher Baumhöhlen als Habitate für die Übergangszeit, bis wieder genügend alte Bäume mit Baumhöhlen verfügbar sind
  • wissenschaftliche Grundlagenarbeit über die Baumhöhlen, den Gesundheitszustand von Bienenvölkern und den unzähligen ökologischen Verknüpfungen zwischen Bienen und ihrem Ökosystem.
  • Sensibilisierung von Öffentlichkeit, Fachkräften, Politik und Verantwortungsträgern

Unser Ziel und unsere Vision ist eine Landschaft, in der Honigbienen wieder selbstständig in der Natur überleben können. Denn nur dort kann ihre weit über 30 Millionen Jahre alte Evolution weiterwirken.

Wildlebende Honigbienen

Ja. Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) ist ein Wildtier und bewohnt seit Jahrmillionen die Wälder Europas als eigenständige Art. In der Schweiz hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) sie im Jahr 2020 offiziell als heimische Wildtierart wiederanerkannt. Die in Bienenstöcken gehaltenen Völker entsprechen genetisch derselben Art, nur unter menschlicher Obhut. FreeTheBees setzt sich dafür ein, dass die Honigbiene als Nutztier verantwortungsvoller gehalten und als Wildtier geschützt und gefördert wird.  

Ja. Das FreeTheBees-Projekt Schutz & Forschung hat bisher über 400 Standorte wildlebender Honigbienenvölker in der Schweiz dokumentiert (Stand Ende 2025). Das ist die umfassendste systematische Datengrundlage zu wildlebenden Honigbienen in Europa. Die Erkenntnisse flossen 2025 in die Neubewertung der Honigbiene als «stark gefährdete Art» auf der Roten Liste der EU-27 ein. Beobachtungen können alle Interessierten als Citizen Scientists selbst melden.

Wildlebende Honigbienen unterscheiden sich äusserlich nicht von Imkerbienen, sie leben aber ohne menschliche Betreuung in natürlichen Hohlräumen wie Baumhöhlen, Felsspalten oder Mauer- und Dachnischen. Typische Hinweise sind regelmässiger Flugverkehr an einem Baumloch, Propolis-Spuren am Eingang und wiederkehrende Schwärme im Frühjahr. Wer ein Bienenvolk entdeckt, kann den Fund bei FreeTheBees melden und damit zur grössten europäischen Datenbank wildlebender Honigbienen beitragen. Bienenvolk melden

Die natürliche Selektion ermöglicht es Bienenvölkern, sich an Umweltveränderungen, Krankheiten und Parasiten wie die Varroamilbe anzupassen. Durch imkerliche Eingriffe wie Zuckerfütterungen, künstliche Vermehrung oder flächendeckende Medikamentenbehandlung wird dieser Evolutionsprozess unterbrochen. In wildlebenden Populationen entwickelt sich hingegen nachweislich eine höhere Resilienz gegenüber Krankheiten, weil resistente Völker überleben und ihre Gene weitergeben. 

Wildlebende Honigbienen sterben in der Schweiz in erster Linie wegen monotoner Landschaften, fehlender Nistplätze, diverser Umweltgifte und intensiver Imkerpraktiken. Für Wildbienen sind der Verlust artenreicher Blumenwiesen und spezialisierter Nistressourcen entscheidend: 90% der artenreichen Wiesen sind in der Schweiz verschwunden (Pro Natura). Für wildelbende Honigbienen fehlen insbesondere Baumhöhlen. Der genetische Druck von Zuchtbienen aus der Imkerei belastet zusätzlich. FreeTheBees setzt an allen drei Hebeln gleichzeitig an: Habitat, genetische Vielfalt, Schulung und Aufklärung. 

«Von Grund auf gesund: Warum Bienensc...

Zusammenfassung der Erkenntnisse aus der Konferenz mit Dr. Stefan Hügel am 8. April 2026 In der monatlichen Konfer...

Mehr erfahren icon

22 April 2026

0 Kommentare

FreeTheBees Frühling-Bulletin Nr. 38

Download FOKUS: Weniger Eingriffe, mehr Resilienz: Lehren aus dem Low-Intervention-Beekeeping Zusammenfassung der Bi...

Mehr erfahren icon

2 April 2026

0 Kommentare

FreeTheBees Winter-Bulletin Nr. 37

Download FOKUS: Dr. Gilles Grosmond: Neue Ansätze in der Tiergesundheit – weg von Symptombehandlung Interview von And...

Mehr erfahren icon

23 Dezember 2025

0 Kommentare